Ev. ref. Kirchengemeinden
Immenhausen und Mariendorf



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Evangelische Stadtkirche St. Georg

– Wandbilder –

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Autor der erläu­ternden Texte neben den Bildern: Fried­rich-Karl Baas
Bilder: Adolf Dick (Musi­kant: Glas­werk­statt Peters, Pader­born; Chor-Süd­wand: Gerhard Jost)

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Kreuz­ab­nahme (rechts oben): Das Bild zeichnet sich durch den guten Zustand, vor allem aber durch die kompo­sito­rische Leistung des Meisters aus. Die durch den Christus­körper gebil­dete Diago­nale wird durch die entge­gen­ge­setzten, verscho­benen Diago­nalen der Leiter­holme gehalten. Senk­rechte (Kreuz­stamm) und Waage­rechte (Kreuz­balken und Sarko­phag­kanten) geben dem Bild die vom Gesche­hen her notwen­dige feier­liche Ruhe.

Geth­semane (rechts unten): Christus betet abseits von den schla­fenden Jüngern unter dem Kelch, den sein Vater für ihn bereit­hält. Neben Gott Vater schwebt ein Engel mit dem Kreuz. Das Bild ist noch inso­fern inter­essant, als es mit dem Jeru­salem im Hinter­grund die älteste erhal­tene Ansicht von Immen­hausen wieder­gibt.

Kreuzigung (links oben)

Marter der zehn­tau­send (links Mitte): Wir haben es hier mit einer späten Legende ohne jeden geschicht­lichen Kern zu tun. Sie erzählt, dass der Haupt­mann Acha­tius zur Zeit Hadrians (117 bis 138) mit zehn­tausend Sol­daten auf dem Berge Ararat gemar­tert wurde. Von rechts treibt der Kaiser mit seinen Häschern den ge­kreuzig­ten Acha­tius und seine Leute durch Dornen­spieße. Die Qual war wohl nur kurz, denn am linken Bild­rand herrscht bereits wieder ein ruhiges, himm­lisches Leben unter dem Schutz des Kreuzes.

Abendmahl (links unten): Beacht­lich ist der Versuch des Malers, das Raum­problem gestal­te­risch zu lösen. Der Tisch ist in einem goti­schen Gebäude in einem Raum ohne Decken­ab­schluss gerich­tet. Jesus sitzt hinter der Tafel vor einer Fenster­front unter einem balda­chin­artigen Gebilde, etwas aus der Mitte heraus­ge­rückt. Diese Ver­schie­bung wird durch die längere Gebäude­wand im Hinter­grund geschickt abge­schwächt. Um den Tisch herum ange­ordnet sind die Jünger.


St. Wilhelm: Die Darstel­lung Wilhelms als Kämpfer ist unge­wöhn­lich. Wir haben es hier wohl mit der Ver­schmel­zung zweier Gestal­ten zu tun. Als Kämpfer wurde an sich nur Wilhelm von Aqui­tanien, der Ver­traute Karls des Großen, darge­stellt. Seit dem 13. Jahr­hundert ver­schmolz seine Gestalt mit der Wilhelms von Maleval. Dieser wurde durch die Unter­stüt­zung seiner Schüler Albert und Renald Begrün­der der Ere­miten­kongre­gation der Wilhel­miten mit dem Haupt­kloster Maleval. Er ist auf unserem Bild sicher gemeint, obwohl er kein Kämpfer war. Diese Annahme wird dadurch erhärtet, dass sich ganz in der Nähe, in Witzen­hausen, eine Ordens­nieder­lassung befand.

Die heilige Sippe: Auf einer goti­schen Bank sitzen die zur Sippe Jesu gehö­renden Frauen mit ihren Kindern. Die Männer stehen, jeweils ihren Frauen zuge­ordnet, seit­lich neben bzw. hinter der Bank. Rechts und links neben der Gruppe ist jeweils noch ein Stifter­paar darge­stellt. Die Personen waren alle einmal durch Be­schrif­tung be­zeich­net. Leider sind die meisten Namen nicht mehr zu lesen. Wir können daher nur aus der Kennt­nis der Legende und anderer Sippen­darstel­lungen die Personen zu bezeich­nen versuchen.
Das Thema war zur Zeit der Entste­hung des Bildes noch relativ jung. Es handelt sich um die Vision der seligen Colette Boilet aus dem Jahre 1408. Sie sah die heilige Anna mit ihren drei Töchtern auf sich zukom­men. Maria Cleophas hatte ihre vier Kinder bei sich, Maria Salome wurde von ihren Söhnen Jakobus major und Johan­nes Evan­ge­lista begleitet. In unserer Dar­stel­lung sind Elisa­beth, Johan­nes der Täufer und Zacha­rias noch hinzu­gefügt, die im allge­meinen auf Sippen­darstel­lungen nicht vorkom­men.
In der Mitte des Bildes sitzt Maria mit dem Kind, links neben ihr Anna, in einem Buch lesend. Ihr schließt sich Maria Salome mit den Knaben Johan­nes Evan­ge­lista und Jakobus major an. Rechts neben der Gottes­mutter sitzt Elisa­beth mit dem Knaben »Johanes Baptiste« (Spruchband). Ihnen schließt sich Maria Cleophas mit dem kleinen Joses (Joseph) auf dem Schoß und Jakobus minor an der Seite an. Vor Anna und Maria sitzen Judas und Simon mit einer Tafel in den Händen. Über Attri­bute und Tätig­keiten der Kinder können infolge der Zerstö­rungen leider keine verbind­lichen Aussagen gemacht werden.

Christus als Fürsprecher: Die vom Teufel verfolgten Gläu­bigen flüchten unter den schüt­zenden Mantel Marias. Diese wiede­rum wendet sich an den gekreu­zigten Christus, der dann als Bit­tender vor seinen Vater tritt. Diese Dar­stel­lung hatte im Zusam­men­hang mit einer Pest­epi­demie Bedeu­tung.


Die Wandbilder in der Kirche stammen von Wander­malern und ent­standen im 15. Jahr­hundert.


oben v.l.n.r.: Die Heiligen Katha­rina, Anto­nius und Marga­rete; Kreu­zi­gung, St. Niko­laus (an den golde­nen Kugeln in der rechten Hand zu erken­nen, die er seinen drei verarmten Nach­bars­kindern schenk­te.)

unten: Katharinenlegende


Die Darstellung nimmt Bezug auf Jes 63,2 f (Spruch­band). Das Jesaja-Wort wurde im Laufe der Zeit auf den Opfer­tod Christi bezogen; Jesus ver­gießt sein Blut wie die Traube ihren Saft.


Zwischen den »heiligen Madln« Katha­rina (Rad) und Marga­rete (Drachen) steht Anto­nius der Ein­siedler. Er ist an seinem Attri­but, dem Schwein, zu erken­nen. Das Schwein als un­reines Tier steht hier als Bild für die Sinn­lich­keit und symbo­li­siert den über­wun­denen Teufel, der den Heiligen in seiner Einsie­delei versuchte. Auch der Drache Marga­retes steht für den Ver­sucher. Die Legende erzählt, dass sie ihn mit dem Kreuz­zeichen besiegte, als er sie nach einer Folte­rung durch den Prä­fekten Olibrius heim­suchte. Katha­rina trägt als Attribut ihr Marter­werk­zeug, das Rad.


Wir haben es hier wohl mit der reifsten Arbeit unter den Bildern der Kirche zu tun. Auf­fallend schön und aus­drucks­stark sind die Gesich­ter der beiden Lieb­lings­jünger gezeich­net. Von der­selben Meister­schaft zeugt auch die Behand­lung der Gewänder.
(Petrus = Schlüssel; Johannes = Kelch).


Die Weisen aus dem Morgen­land (Matth 2,1-11): Als Jesus gebo­ren war in Beth­lehem in Judäa zur Zeit des Königs Hero­des, siehe, da kamen Weise* aus dem Morgen­land nach Jeru­salem und sprachen: Wo ist der neuge­borene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgen­land und sind gekom­men, ihn anzu­beten.

Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jeru­salem, und er ließ zusam­men­kommen alle Hohen­priester und Schrift­ge­lehrten des Volkes und er­forsch­te von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: In Beth­lehem in Judäa; denn so steht ge­schrie­ben durch den Pro­pheten (Micha 5,1): Und du, Beth­lehem im jüdi­schen Lande, bist keines­wegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.

Da rief Hero­des die Weisen heim­lich zu sich und erkun­dete genau von ihnen, wann der Stern erschie­nen wäre, und schickte sie nach Beth­lehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kind­lein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgen­land gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kind­lein war. Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weih­rauch und Myrrhe.


Die zwölf Bilder in der Kirche stellen den zweiten Teil der recht umfang­reichen Vita des jungen und klugen Mäd­chens aus Alexan­drien dar. Es beginnt mit der Liebe des heid­ni­schen Kaisers Maximin zu der schönen Christin, die nicht von ihrem Glauben lässt. Sie vertei­digt ihn in einer gelehr­ten Dispu­ta­tion sogar erfolg­reich, wird dafür gemar­tert, kommt ins Gefäng­nis und wird schließ­lich, weil sie während ihrer Verur­tei­lung noch Glau­bens­an­hänger gewinnt, ent­hauptet.

Der Maler hat aus diesem Abschnitt der Legende folgende zwölf Szenen ausgewählt:

  • Maximin trifft Katharina [?]
  • Katharina vor Kaiser Maximin
  • Die Disputation mit den Gelehrten
  • Die Gelehrten auf dem Scheiterhaufen (Bild)
  • Die Geißelung Katharinas
  • Katharina wird ins Gefängnis geworfen
  • Der Besuch der Kaiserin Faustina und des Feld­haupt­manns Porphy­rius im Gefäng­nis und ihre Bekeh­rung
  • Die Marter mit dem Rad
  • Die Geißelung Faustinas
  • Die Enthauptung des Feldhauptmanns und Faustinas
  • Die Enthauptung Katharinas
  • Katharinas Grablegung durch Engel


Szene aus dem Bilderzyklus der hl. Katha­rina: Die Dispu­tation mit den Gelehr­ten – Die Bekeh­rung der Gelehr­ten


Zwischen alten Archi­tektur­teilen hat der Künstler den Tod, die Himmel­fahrt und die Krönung Marias meis­ter­lich darge­stellt. Bewun­derns­wert ist, wie er die durch Halb­pfeiler und Gewölbe­rippen begrenz­ten Wand­flächen sinnvoll nutzte, um die Einzel­ereig­nisse in Bezie­hung zu setzen. Auf dem unteren Bild liegt Maria auf ihrem Bett und hält den Palm­zweig aus dem Para­dies, den ihr ein Engel brachte, in der Hand. Er ist das Sinn­bild des Sieges und des ewigen Lohnes. Die Apostel sind nach ihrem Wunsch um ihr Bett versam­melt. Sie wurden auf Wolken von den Stätten ihres Wirkens in das Haus am Berge Sion getragen (links vom Pfeiler).


Auf dem unteren Bild liegt Maria auf ihrem Bett und hält den Palm­zweig aus dem Para­dies, den ihr ein Engel brachte, in der Hand. Er ist das Sinn­bild des Sieges und des ewigen Lohnes. Die Apostel sind nach ihrem Wunsch um ihr Bett versam­melt.


Sebastian wurde der Legende nach wegen seines christ­li­chen Glaubens auf Befehl des Kaisers, dem er als Palast­haupt­mann diente, von nubischen Bogen­schützen erschos­sen. Beacht­lich an dieser Dar­stel­lung ist die Dynamik der beiden Schüt­zen, die im Gegen­satz zur Ruhe und Gelassen­heit des Märty­rers steht.


Das Bild ist im unteren Teil mit einem Orna­ment­band umge­ben. Dies stellt die Ver­bin­dung zum zweiten Teil des Bildes rechts vom Fenster her, das die Klaus­ner­hütte zeigt. Auf diese Weise sind Archi­tektur und Malerei meister­lich mitein­ander verbunden.


Rechts oberhalb des Nord­portals sind in Lebens­größe zwei Heilige in Rüstung darge­stellt. Der linke ist der heilige Georg, am sich um sein rechtes Bein win­denden Drachen­schweif erkenn­bar. Georg gegen­über steht Quirinus von Neuss, einer der vier heiligen Mar­schälle der Kirchen­provinz Köln. Quirinus ist an den neun Kugeln auf seiner Fahne und auf seinem Schild zu erkennen. Er wurde im Mittel­alter als Not­helfer verehrt – ein Anlass für die vielen Wall­fahrten zu seinem Grab.


Das Bild zeigt von der Aus­füh­rung her große Ver­wandt­schaft mit der Christo­pherus­dar­stellung. Der schwere Körper­bau und die Behand­lung der Glied­maßen, beson­ders der Beine und Füße, lassen den­selben Maler erken­nen.


Ausschnitt aus einem Fenster­feld im Chor­raum der Kirche: Lauten­spieler


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